Adria in der Hochsaison

Ich gebe zu, ich hatte Angst vor Italien in den Ferien. Wegen dem Wetter entschieden wir uns für den Süden und nicht für den Norden. Aber der Süden ist in den Schulferien immer voll. Ein Campingplatz am Nächsten und Einer voller als der Andere. Rund um die Adria – gleich ob auf der italienischen oder auf der kroatischen Seite – findet man einfach Hunderttausende (deutsche) Urlauber.    

Wir mögen vor allem kleine Campingplätze. Solche wo nicht alles akkurat ist. Wo man nicht reservieren muss und wo es keine riesengroße Poolanlagen gibt. Eben solche wo man noch das Gefühl hat es geht einfach ums campen, entspannen und um draußen sein.

Auf dem Weg in den Süden schwärmte uns jemand von einem Campingplatz in Lido de Jesolo vor. Seine Worte waren: „noch unter orderntlicher, deutschen Führung“, „sehr sauber“, „alles hat seine Ordnung“, „strikte Mittagsruhe“, „sehr gepflegte Anlage“. damit war klar, wo wir auf KEINEN Fall hinfahren würden. Somit machten wir einen Bogen um Cavalino und Bibiona.

Am Nordufer der Adria liegt inmitten einer Lagune Grado. Grado selbst ist ein nettes Städtchen in dem es viele Restaurants und Geschäfte gibt. Da alles von allen Seiten vom Wasser eingeschlossen ist, verirren sich hier nicht alle Touristen hin.   

Laut ADAC und ACSI gab es 5 Campingplätze in und um Grado. Während 4 der Plätze mindestens 4 Sterne abgesahnt hatten, erhielt einer nur 2,5 Sterne – diesen fuhren wir an! Je weniger Sterne, desto höher ist oft die Wahrscheinlichkeit das es ein Platz ist der noch nicht ausschließlich von Deutschen dominiert wird und der eben noch „naturnaher“ ist. Einen allzu hohen Anspruch an die Sanitäranlagen sollte man bei solchen Campingplätzen dann meist nicht stellen.

 Camping Al Bosco (P. 58) gefiel uns am Ende so gut, dass wir sage und schreibe 10 Tage dort blieben – normal reisen wir nach 3 Tagen weiter. Auf dem Campingplatz waren vor allem Österreicher, was für die Kinder aufgrund der gemeinsamen Sprache gut war. Aber auch viele Italiener, Tschechen, Ungarn, Slowaken, ja sogar Schweden und Dänen. Natürlich gab es auch Deutsche, aber eben nicht nur.  Es gab ein ganz gutes kleines, gemütliches Restaurant mit gutem Cappuccino und leckerem Essen.  

 Kinder konnten baden, der Mann kiten, ich paddeln und unter den großen Pinien war immer genug Schatten um das ein oder andere Buch zu lesen. Vor allem aber konnten die Kinder selbständig den ganzen Tag über den Platz laufen und sind in ganzen Horden umher gestreunt, haben Indianer gespielt, Burgen gebaut, Musik gehört, Eidechsen gesucht und sind Lauf- und Fahrrad gefahren.
 
Die Adria selbst ist etwas „moderig“ an dieser Stelle, vor allem bei Ebbe. Aber über einen Steg gelangt man an eine tiefere Stelle wo man ach schwimmen kann. Ansonsten kann man kilometerweit im Wasser stehen, was mit kleinen Kindern gar nicht mal das dümmste ist.
Wir werden wohl irgendwann nochmal wiederkommen nach Grado.

Zwischenstopp auf dem Bauernhof

Auf dem Weg an die Adria haben wir in Österreich einen sehr netten, kleinen Stellplatz durch Zufall entdeckt: die Jausenstation Schauphof.

Hier können 3 Mobile stehen – wir waren Nr. 4 und durften trotzdem bleiben, da wir mit 5,40m relativ klein sind. Es gibt ein Uröstereichisches Restaurant für Abends. Wenn man das möchte kann man am nächsten Morgen ein Frühstück, was keine Wünsche offen lässt, einnehmen und vor allem das ganze ab 7:30 Uhr. Das ist für uns (Klein)kindeltern ein Traum, denn nichts ist ätzender als noch 2h warten zu müssen aufs Frühstück, nur weil die Brut meint 7 Uhr aufstehen zu müssen.

Für die Kinder gibt es einen Sandkasten, eine Rutsche, ein Spielhäuschen und vor allem Tiere, Tiere und nochmal Tiere! 

 Man durfte beim Melken zusehen, die Babykätzchen hatten gerade die Augen geöffnet, die Ziegen laufen frei umher, die Eier holt man frisch aus dem Hühnerstall, die Wachteleier kann man auch direkt mit einsammeln, die Hasen kann man streicheln und Hasenbabys gab es auch noch obendrein, der Hofhund ist ohnehin handzahm und die Schafe blöken entspannt von der Weide. Die Kinder wollten gar nicht weiterfahren am nächsten Tag. Nur das Versprechen das wir auf dem Rückweg wieder dort vorbei schauen hat sie überzeugt doch weiter ans Meer zu fahren.   

Ein wirklich schöner Fleck den wir hier kennengelernt haben und wo die Welt augenscheinlich noch mehr als in Ordnung ist. 

 

Die große Campingfreiheit

Wir buchen nicht. Wir planen kaum. Wir fahren einfach los! 

So machen wir das eigentlich im Sommerurlaub seit vielen Jahren. Oft wissen wir noch 1 Woche vorher nicht wohin uns der Wind bzw. die Straße treibt. Aber meist nimmt uns das Wetter die Entscheidung ab. Dann wird gepackt und es geht los.

Diesmal jedoch war es richtig schwer. Durch die Kita-Ferien sind wir bereits ohne Schulpflichtige Kinder auf die Ferien angewiesen, dass erschwert die Suche nach einem schönen Ziel immens, da alle anderen eben auch suchen.

Diese Jahr standen zur Auswahl:

  • Schottland
  • Südengland
  • Schweden
  • Dänemark
  • Baltikum
  • Polen
  • Österreich
  • Italien

Nach und nach flog ein Ziel nach dem anderen raus. Wobei wir uns bei „nach und nach“ im Horizont der letzten 2 Wochen bewegen. Denn die meisten Ziele sind Fährfahrtenziele und da waren die interessantesten (Baltikum und Schottland) schlichtweg bereits ausgebucht. 

Wettertechnisch gibt es nun im Norden eine leichte Kaltfront und bei 14°C möchten wir auch nicht abends draußen lesen bzw. sitzen. 

Also geht es nach einigem hin und her nun vermutlich an die obere Adria nach Grado und dann noch nach Kärnten an den Ossiacher See. Da wir nur 2 Wochen haben, werden es wohl auch nur eine Handvoll Stops werden. Mal sehen wohin uns der Weg führt. 

Genau diese Freiheit liebe ich am campen so sehr!

Borkum

Mindestend einmal im Jahr packt es uns. Dann stehen wir an einem Samstag ganz früh auf (3:30 Uhr), packen die Kinder ins Auto, fahren 300km an den Fähranleger nach Eemshaven, parken dort und fahren mit der ersten Fähre des Tages (7:30 Uhr) nach Borkum. Auf der Insel selbst holt eine schicke kleine Eisenbahn einen vom Hafen ab und bringt einen ins Städtchen. 

Irgendein Hotel findet man fast immer für ein verlängertes Wochenende, welches in unmittelbarer Strandnähe ist. Einen Campingplatz gibt es auch, jedoch ist spontan meist kein Platz mehr für das Wohnmobil auf der Fähre und für 3 Tage lohnt sich der Mehrpreis auch kaum.
   

der Hauptstrand ist für Familien schon sehr nett, aber man sich unbedingt die Zeit nehmen und am Strand Richtung Ostland gehen. 
Nirgendwo habe ich bisher so eine „Strandwüste“ mitten in Deutschland erlebt, durch die man aber wunderbar mit einem Fahrradwagen schieben kann.  

In den Prielen baden die Kinder wie in einer Badewanne, auch wenn die Nordsee selbst noch 16 Grad hat.   

An fast jeder Strandbude gibt es Milchreis, Dickmilch oder andere Leckereien und von Krebsen, Robben und Unmengen an Muscheln will ich gar nicht erst anfangen.  

Fazit: Borkum geht einfach immer! Auch mitten in der Hochsaison gehört einem der Strand fast ganz allein, wenn man nur ein paar Meter Weg in Kauf nimmt. 

Edersee

Mitten in Deutschland umringt von Unmengen Natur liegt der Edersee. Hessen bietet sich immer als Treffpunkt an, wenn man sich irgendwo zwischen Ost und West in Deutschland treffen will und jeder etwa die gleiche Anfahrt haben soll. 

 
Also waren wir neulich wieder für ein Wochenende an eben jenem See und haben einen großartigen Campingplatz entdeckt:

Camping Teichmann in Herzhausen. 

Der Platz selbst ist groß genug das man alles was das Herz begehrt vor Ort hat (Brötchen am Morgen, frischgebackene Waffeln zum Kaffee, Restaurant für Mittag oder Abend, Fahrrad-, Tretboot- und Kanuverleih etc.) und gleichzeitig ist er so rund um einen Badeteich angelegt, dass es alles noch relativ naturbelassen ist, trotzdem sind an jeder Ecke Spielplätze. Die Rezeption ist unglaublich entspannt und freundlich. Man kann per E-Mail reservieren, ohne Anzahlung und wenn (wie uns im letzte Jahr geschehen) plötzlich alle Kinder krank werden, auch völlig unkompliziert wieder stornieren.

Es ist einer der Campingplätze von denen es in Deutschland gar nicht so viele gibt – nämlich einer auf dem man sich sofort wohlfühlen muss. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen und fortan immer unser kleines Familientreffen dort stattfinden lassen.

 

Camper 2.0

Deutsche Spießigkeit vor Wohnwagen und Wohnmobilen, gepaart mit Gemeinschaftsduschen und Leben auf engstem Raum ohne Rückzug und Platz. Das klingt nicht wirklich sexy und ist erst recht nichts für all jene unter uns, die wir uns immer so frei und unkonventionell fühlen. 

Und doch ist es für uns das Größte überhaupt, denn 

  • Wo kann man 10x im Jahr in den Urlaub fahren und hat immer sein eigenes Bett dabei? 
  • Wo kann man ohne buchen und reservieren einfach losfahren und ist der Nachbar, das Wetter oder sonstwas doof, fährt man weiter? 
  • Wo macht man morgens 8 Uhr die Tür auf, entlässt die Kinder zu einer Horde anderer Kinder und sammelt sie abends wieder ein? 
  • Wo hat man oft das „Haus“ direkt am Meer oder See stehen?

Ganz klar: auf dem Campingplatz!

Ja, damals mit dem Bulli waren wir gefühlt deutlich cooler, als jetzt mit dem Kastenwagen, aber komischerweise geht es Vielen inzwischen so. Es gibt offensichtlich langsam eine ganze Generation Camping 2.0 die heranwächst.  Die nun alle auch mit Kindern unterwegs sind oder auch schon wieder ohne und zumindest etwas das Bild vom spießigen, deutschen Camper revidieren, der dauergrillend tagein und tagaus auf seiner Parzelle hockt. 

Denen es wichtig ist draußen zu sein, die Kinder einfach spielen und toben zu lassen und entspannt ein paar Tage zu verbringen.    

 
Und wann ich das letzte Mal so tolle Sonnenuntergänge direkt „vor der eigenen Haustür“ sah, während die Kinder in ihren Betten schliefen und das Babyfon schweigend neben mir lag, dass ist schon ein paar Monate her.   

  

Diesmal waren wir übrigens auf dem Darss in Dierhagen an der Ostsee. Eine ganz tolle Ecke in Deutschland und immer einen kleinen Urlaub wert! 

 

Mehr Meer!

Wir sind überzeugte Camper! Unseren alten T3 haben wir alsbald mit der Geburt von Kind 1 eingetauscht gegen einen kleinen, kompakten Kastenwagen und so nutzen wir fast jeden Urlaubstag und fahren ans Meer, in die Berge, an einen See oder sonst wo hin. 

Die Kinder steigen ein und haben sofort Urlaub und freuen sich schon immer wie Bolle. 

Immer wieder eine Reise wert ist Domburg in Holland. Das Städtchen klein und niedlich, der Strand groß und weitläufig und der Campingplatz (Roompot Hof Domburg) Dank integriertem Spassbad, Spielplätzen, Restaurants und Indoorspielplatz auch bei sehr schlechtem Wetter Urlaubstauglich. 

Und so ein Tag am Meer geht schließlich auch immer für alle Beteiligten.